RLB-Logo


Delkeskamps „Panorama des Rheins und seiner nächsten Umgebungen von Mainz bis Cöln“

Frühe Rheinpanoramen
Als „Rheinpanorama“ wird die Abbildung des Flusslaufes auf einem langen, gefalteten Plan bezeichnet. Die Orte und Sehenswürdigkeiten am Ufer sind eingezeichnet. Es gibt verschiedene Varianten der Panoramen. Manchmal umsäumen Randbilder mit den wichtigsten Sehenswürdigkeiten wie Kirchen, Burgen und Schlösser den Rand; manchmal sind die Berge relieffartig wiedergegeben. Einige Ausgaben führen sogar die Abfahrtszeiten der Rheinschiffe an den jeweiligen Haltepunkten mit auf.

Das erste Panorama des Rheins und damit eine neue, raumbildliche Darstellung des Rheinlaufes schuf die Künstlerin Elisabeth von Adlerflycht (1775-1846). Sie kam auf die Idee, die Raumerfahrung einer Bootsfahrt auf dem Rhein in einem „malerischen Relief“ zu zeigen. Nach einer Rheinreise im Jahr 1811 schuf sie eine in dieser Art ausgeführte, farbige Darstellung des Rheintales vom Niederwald und der Nahemündung bis zur Mosel. 1822 ließ der Verleger Johan Friedrich Freiherr Cotta von Cottendorf diese Vorlage von Heinrich Keller lithographieren und brachte sie in Stuttgart heraus (1).

Das vorliegende Werk Delkeskamps ist eine Überarbeitung und Vervollständigung der Vorlage der Frau von Adlerflycht für den Frankfurter Kunsthändler und Verleger Wilmans.

Ihren großen Erfolg verdanken die Rheinpanoramen dem Massentourismus auf dem Rhein, der nach der Einführung der regelmäßigen Dampfschiffahrt von Mainz bis Köln 1827 und dem Ausbau der Eisenbahnstrecke an beiden Ufern einsetzte. Das malerische Relief wurde zur charakteristischen Darstellungsform des Rheinlaufs und wirkte auch auf die traditionelle Karthographie. Viele Verlage haben solche Panoramen seither in unzähligen Varianten herausgebracht und bis heute erfreuen sie sich bei den Touristen großer Beliebtheit.

Der Künstler
Friedrich Wilhelm Delkeskamp wurde am 20. September 1794 in Bielefeld geboren. Er erlernte zunächst das Buchbinderhandwerk und nahm später Zeichenunterricht. 1815 ging er als Zeichenlehrer nach Groß-Breitenbach in Thüringen; dort erlernte er auch die Porzellanmalerei. Ab 1816 arbeitete er als Porzellanmaler in Hanau, ab 1817 bei der Königlich Preußischen Porzellanmanufaktur in Berlin. Hier begegnete er dem Kupferstecher J. B. Hoessel. Die Bekanntschaft mit ihm brachte Delkeskamp dazu, die Kupferstichtechnik zu erlernen. Er studierte an der Königlichen Akademie der Künste.
Delkeskamp bereiste einen großen Teil Deutschlands und arbeitete als Architektur- und Landschaftszeichner. Ab Herbst 1818 arbeitete er in Rogalin/Posen an der Illustration des orientalischen Reisewerkes von Graf Eduard Raczynski mit.
Im Frühjahr 1823 ging er als Zeichenlehrer nach Frankfurt und schuf diverse Frankfurter Stadtansichten.

Die Erstellung des Rheinpanoramas im Auftrag des Frankfurter Verlegers Wilmans, das 1825 erschien, bedeutete eine Zäsur in seinem Schaffen. Von dieser Zeit an konzentrierte er sich auf Rheinansichten und Rheinpanoramen. Nach Auseinandersetzungen mit Wilmans gründete er 1830 einen eigenen Verlag in Frankfurt.

Nach einer Reise durch die Schweiz 1825 begann er mit Arbeiten an einem „Relief der Schweiz“, 1828-1830 sammelte er in der Schweiz weiteres Material.

Es folgten verschiedene Ausgaben von Landschaftspanoramen, besonders aus der Mittelrhein-Gegend, u.a.:
- Malerisches Relief des klassischen Bodens der Schweiz (1830-1835)
- Neues Panorama des Rheins und seiner nächsten Umgebung von Mainz bis Cöln (1837)
- Mosel-Panorama oder malerisches Relief der Umgebungen der Mosel und deren Nebenthälern von Coblenz bis Wasserbillig, jenseits von Trier (1839)
- Panorama des Ahrtales von Sinzig (Remagen) bis Kreuzberg oberhalb Altenahr und seine Heilquellen und Bäder (1859)

Von Delkeskamp sind neben Stichen auch Bleistift-, Feder- , Kreidezeichnungen und Aquarelle bekannt. Der Künstler starb am 5. August 1872 in Frankfurt (2).
Die Entstehungsgeschichte des Delkeskamp´schen Rheinpanoramas

Nachdem das Werk von Elisabeth von Adlerflycht so großes Aufsehen erregt hatte, gab der Verleger Friedrich Wilmans Delkeskamp 1823 den Auftrag, die Rheinstrecke von Mainz bis Köln „in der Manier der Elisabeth von Adlerflycht“ zu zeichnen. 1825 erschien als Leporello Delkeskamps „Panorama des Rheins und seiner nächsten Umgebungen von Mainz bis Köln“ im Format 234 x 23 cm. Bei den Abbildungen handelte es sich um Kupferstichillustrationen. Ein ausführliches Textheft mit Beschreibung der einzelnen Orte und Sehenswürdigkeiten war dem Werk beigegeben.
Die 1925 bei Wilmans erschienene Ausgabe ist wohl nicht Delkeskamps erste Bearbeitung des Rheinpanoramas von Elisabeth von Adlerflycht.
„Aus der Abfolge der nachgewiesenen Drucke ergibt sich, dass Keller zunächst im Auftrag von Cotta das erste Rheinpanorama lithographiert hat. Delkeskamp hat diesen Druck dann anscheinend in Verbindung mit Keller für Mottu in Köln wiederholt, um dann die dem Kölner Druck genau folgende gestochene Fassung für den Frankfurter Verleger Friedrich Wilmans zu arbeiten.“ (3)

Der vorliegenden Ausgabe folgten eine Vielzahl von Landschaftspanoramen, die Delkeskamp schuf und seit 1830 im eigenen Verlag herausgab. 1833-1836 erarbeitete er die erste Neuaufnahme des Rheinpanoramas. Diese Ausgabe enthielt bereits Veränderungen wie die Randbilder, die Sehenswürdigkeiten wie Burgen und Kirchen am Rand hervorgehoben darstellten.

Zur vorliegenden Präsentation

Als Navigationshilfe sind die wichtigsten Orte als Ausgangspunkt von der Startseite aus anklickbar.

Literatur
Saur, Allgemeines Künstlerlexikon: die bildenden Künstler aller Zeiten und Völker. München. Saur. Bd. 1. 1983- (Saur).

Schmitt, Michael: Die illustrierten Rhein-Beschreibungen : Dokumentation der Werke und Ansichten von der Romantik bis zum Ende des 19. Jahrhunderts. Köln u.a. 1996.

Steckner, Cornelius: Das erste Rheinpanorama : Elisabeth von Adlerflycht (1775-1846) und Friedrich Wilhelm Delkeskamp (1794-1872) In: Der Lauf des Rheines. Hrsg. von Werner Schäfke und Ingrid Bodsch. Köln u.a. 1993. S. 33 – 39.

Thieme, Ulrich; Felix Becker: Allgemeines Lexikon der bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart, Bd. 1 – 37, Leipzig 1907 – 1950. (Thieme-Becker).

Vom Zauber des Rheins ergriffen... : Zur Entdeckung der Rheinlandschaft vom 17. bis 19. Jahrhundert. Klaus Honnef ....(Hrsg.) München 1992.
Fußnoten
(1)Näheres s. Steckner, 1993.
(2)Näheres s. Thieme-Becker, Bd 9, S. 23-24, Saur, Bd. 25, S. 478-479.
(3)Steckner, 1993, S. 37.

zurück zu Delkeskamps Panorama des Rheins
Editor: www-Team, 09.03.2005